Sonntag, 23. Juni 2013

Sieh‘ an, o Freund dies Bildnis recht,
hier reit‘ der Herr und da der Knecht,
Der Herr auf einem armen Tier (Joh 12,14)
Der Knecht mit höchster Pracht und Zier.
Der Herr trägt eine Dornen-Kron (Joh 19,2)
Der Knecht ein dreifach gülden Kron,
Der Herr war arm auf dieser Welt (Sach 9,9)
Der Knecht hat gross‘ Gewalt und Geld.
Der Herr hat nicht, da er’s Haupt hinlegt (Lk 9,58)
Den Knecht man auf den Achseln trägt,
Der Herr den Jüngern wusch die Füss‘ (Joh 13,14)
Dem Knecht sein Fuss man küssen muss.
Der Herr litt hier viel Schand und Spott (Lk 23,35)
Der Knecht sich ehren lässt als Gott.
Der Herr gibt uns seine Gnad umsonst (Röm 11,6)
Der Knecht um Geld, Ablass und Gunst,
Der Herr heisst die Gebote halten (Joh 14,15)
Der Knecht wagt’s diese umgestalten.
Drum merk aus diesem Beispiel eben.
Ob sich vergleicht ihr Lehr und Leben.
Du siehest daraus auch wohl geschwind.
Wie so verschieden beide sind,
Und siehst und sagst es ohne Scheu,
Dass der Knecht wider den Herren sei.

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